Erste seelische Reaktionen – Orientierungshilfe für Betroffene

Viele betroffene Frauen beschreiben den Zustand unmittelbar nach einer Vergewaltigung wie eine Art Filmriss, sie haben kaum Orientierung und verspüren eine starke Ohnmacht und Hilflosigkeit. Dies ist oft begleitet von Symptomen wie Angstzuständen, Alpträumen, Flashbacks und auch körperlichen Reaktionen wie Herzrasen, Zittern etc. Betroffene leiden in der Regel unter massiven Schuld- und Schamgefühlen und viele haben das Gefühl „durchzudrehen“ oder verrückt zu werden.

Hier ist wichtig zu wissen, dass diese Gefühle und Symptome eine ganz normale Reaktion auf ein außergewöhnlich belastendes Lebensereignis sind. Dieses Wissen hilft den eigenen Ausnahmezustand besser zu verstehen und einzuordnen.

Vertrauensperson

Gerade in der ersten Zeit nach der Vergewaltigung ist es besonders wichtig sich mit Menschen zu umgeben, bei denen man sich gut aufgehoben fühlt. Ein erster Schritt kann sein eine Freundin, einen Freund oder eine Person des Vertrauens anzurufen. In dieser Situation ist es wichtig, nicht alleine zu bleiben und einen Menschen um sich zu haben, der Sicherheit, Halt und Orientierung gibt.

Ärztliche Untersuchung – Spurensicherung

Nach einer Vergewaltigung ist es besonders wichtig, sich auch ärztlich untersuchen zu lassen. Auch hier kann die Begleitung durch eine Vertrauensperson äußerst hilfreich sein.

Eine medizinische Versorgung ist dringend anzuraten, und sollte möglichst zeitnah erfolgen,

  • um mögliche Verletzungen versorgen zu lassen.
  • um sich in Bezug auf Geschlechtskrankheiten untersuchen zu lassen. 
  • um Spuren sichern zu lassen. Zum Einem macht eine Dokumentation der Spuren, bzw. auch der Verletzungen die Angaben zum Geschehen überprüfbar. Eine medizinische Befundsicherung kann für ein Strafverfahren von großer Bedeutung sein, auch wenn es Ihnen im Moment wahrscheinlich sehr schwerfällt und vielleicht nicht wichtig erscheint.
  • um sich eventuell „die Pille danach“ verschreiben zu lassen.

Wenn es Ihnen möglich ist, wechseln Sie nicht die Kleidung und gehen Sie vor der Untersuchung auch nicht Duschen, da das wichtige Spuren zerstören könnte.

Eine medizinische Untersuchung muss nicht automatisch mit einer Anzeige verbunden sein. Wenn Sie sich für eine Anzeige noch nicht bereit fühlen, dann bitten Sie die behandelnde Ärztin von der Anzeige vorerst abzusehen.

Ruhe und Sicherheit

Unmittelbar nach einem sexuellen Übergriff ist es wichtig, ausreichend Ruhe- und Rückzugsmöglichkeiten zu haben. Aber auch hier ist der Kontakt zu vertrauten Menschen wesentlich, da die Gefahr besteht, sich von der Außenwelt zu sehr zu isolieren und in einem inneren Rückzug zu verharren. Für Betroffene steht jetzt vor allem der Wunsch nach einem inneren Sicherheitsgefühl im Vordergrund, und natürlich bei bestehender Notwendigkeit auch der konkrete Schutz vor dem Täter. Unterstützend für die schrittweise Wiedererlangung von Stabilität kann beispielsweise ein klar strukturierter Tagesablauf sein mit Tätigkeiten und Ritualen, die gut tun, körperliche Betätigung, das Aufsuchen von positiv besetzten Orten oder einfach auch eine kurzzeitige örtliche Distanz vom Geschehen sein. In dieser Situation kann auch professionelle Hilfe von außen überaus wichtig und hilfreich sein.

Professionelle Hilfe holen

Viele betroffene Mädchen und Frauen entwickeln in Folge der Gewalterfahrung Symptome wie beispielsweise Flashbacks, Schlaflosigkeit, Alpträume, eine erhöhte Reizbarkeit, übersteigerte Wachsamkeit, Unruhe, Konzentrationsschwierigkeiten und körperliche Symptome wie Herzrasen und Atemnot, um nur einige davon zu nennen. Hierbei ist es für Betroffene besonders wichtig zu wissen, dass diese Symptome keine Anzeichen dafür sind „verrückt“ zu werden, sondern eine„normale Reaktion“ auf ein außergewöhnlich belastendes Lebensereignis! Wenn allerdings diese Symptome länger als 3 Monate andauern, könnte es sein, dass diese dauerhaft bleiben. Auch wenn Freunde, der Partner oder Vertrauenspersonen für Betroffene sehr wichtig sind – sie können keine professionellen HelferInnen ersetzen! Bei einer dauerhaften Belastungssituation besteht die Gefahr, dass das soziale Umfeld mit Überforderung reagiert. Spätestens dann wäre es für Betroffene (und deren Angehörige) wichtig, professionelle Hilfe von außen, beispielsweise durch eine spezialisierte Beratungsstelle, einzuholen. Die Beratungen sind kostenlos und auf Wunsch anonym. Das Erstgespräch kann auch im Beisein einer/s Angehörigen oder einer Vertrauensperson geführt werden.

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