Sexuelle Gewalt im Netz

In Österreich nutzen ca. 87 % der Mädchen* und Frauen* täglich das Internet. Bei den Mädchen* und Frauen* im Alter von 16 bis 25 Jahren sind es 100%, davon sind annähernd 100% mehrmals täglich online und nutzen Social Media.

Sexuelle Gewalt ist digital ebenso ein Thema, wie sie es analog ist. Oft überschneiden sich dabei digitale und analoge Übergriffe: Zur physischen und psychischen sexuellen Gewalt kommen herabwürdigende oder beleidigende Nachrichten, Bilder und Videos hinzu, mit denen Frauen* eingeschüchtert oder öffentlich angegriffen werden. Zu den Folgen der sexuellen Gewalt kommt das Element der Öffentlichkeit dazu, was viele Frauen* und Mädchen* als besonders belastend empfinden.

In Österreich gibt es inzwischen zivilrechtlichen und strafrechtliche Bestimmungen zu Schutz vor Gewalt im Netz, insbesondere auch vor digitaler sexueller Gewalt. 2021 wurden Straftatbestände für digitale Gewalthandlungen hinzugefügt. Dazu gehört auch das Recht, sich Unterstützung durch Prozessbegleitung im Strafverfahren zu holen. Seit kurzem gibt es auch beschleunigte gerichtliche Verfahren, um verletzende Inhalte löschen zu lassen und den Täter*innen weiteren digitalen Kontakt zur Betroffenen* zu untersagen.

Was ist digitale sexuelle Gewalt?

 

  • Revenge Porn – Rachepornos
    Intime Bilder und Videos werden ohne Wissen der Frau* online gestellt.
  • Sextortion – Sexerpressung
    Frauen* werden dazu überredet, in Videochats sexuelle Handlungen an sich selbst vorzunehmen oder sich nackt zu zeigen um ihnen dann mit der Veröffentlichung zu drohen. Dabei werden meist weitere digitale sexuelle Handlungen, analoge sexuelle Handlungen oder Geld verlangt.
  • Spskirting („unter den Rock“)
    Fotografieren oder Filmen von intimen Stellen ohne Einwilligung oder Wissen der Frau. Das Material wird meist über das Internet verbreitet.
  • Slut Shaming – Frauen* Beschämen
    Frauen* werden mit frauenfeindlichen Schimpfwörtern im Internet öffentlich gedemütigt.
  • Digitales Stalking
    Frauen* werden per Nachrichtendiensten, auf allen Social Media Kanälen oder per Email gegen ihren Willen von einer Person laufend angeschrieben.

Frauen werden durch spezielle Software auf dem Handy ausspioniert: SMS lesen, Fotos und Videos kopieren, Kamera einschalten. Dadurch können intime Nachrichten oder Fotos verbreitet werden.

  • Deep Fakes (Fälschungen)

Bilder, Videos und Textnachrichten von Frauen* werden gefälscht um diese zu Beschämen. Beispielsweise wird das Gesicht der Frau* in ein Pornovideo oder -bild eingefügt und hochgeladen.

Was Sie tun können, wenn Sie von digitaler Gewalt betroffen sind

  • Sollte die Situation noch nicht beendet sein, beenden Sie sie sobald als möglich: Gehen sie keinesfalls auf weitere Forderungen ein.
  • Holen Sie sich Hilfe: Der Frauennotruf Salzburg bietet Ihnen spezialisierte Beratung, Informationen und Begleitung. Kontaktieren Sie uns gerne auch über unsere Online-Beratungsstelle. Unsere Kolleginnen in den anderen Bundesländern sind ebenfalls für Sie da.

hallSie können auch die Ban Hate App herunterladen und das verletzende Hass-Posting dort einsenden.

  • Beweissicherung ist für eine etwaige Strafverfolgung essentiell.

hallWebsites: Speichern Sie die Inhalte so schnell als möglich. PDF-Dateien und Screenshots sollten Datum, Uhrzeit und die volle URL des Beitrags belegen.

hallMit Netzbeweis können Sie kostenlos Inhalte auf allen Webseiten so speichern, dass alle für Polizei und Gericht notwendigen Informationen dabei sind.

hallNachrichtendienste: Speichern Sie in Nachrichtendiensten möglichst den gesamten vorhandenen Verlauf, nicht nur den verletzenden Inhalt! Bei verschwindenden hallNachrichten (Snapchat, etc.) fertigen Sie Screenshots an, achten Sie darauf dass, wenn möglich, Datum und Uhrzeit sichtbar sind.

hallSpezifische Infos für die wichtigsten Social Media Kanäle finden Sie auf Saferinternet.

  • Werden Sie aktiv: Verschaffen Sie sich einen Überblick über den Schaden: Googeln Sie ihre Namen und Spitznamen und Usernamen. Der Leitfaden von Saferinternet hilft Ihnen beim Löschen von

Was der Frauennotruf Salzburg für Sie tun kann, wenn sie von digitaler Gewalt betroffen sind

Wir beraten Sie, egal ob die sexuelle Gewalt, die Sie erleben analog oder digital stattfindet. Selbst wenn sie sich sicher sind, dass das Erlebte nicht strafbar ist, kommen Sie zu uns, wenn sie darunter leiden, sich dagegen wehren möchten oder einfach nur im Vertrauen darüber sprechen wollen.

Wir helfen Ihnen Klarheit zu finden, geben Ihnen die Informationen, die sie benötigen und begleiten Sie, wenn Sie eine Anzeige machen möchten, durch den Prozess hindurch und stellen ihnen eine Rechtsanwält:in zur Verfügung. Wir helfen Ihnen bei der Beweismittelsicherung und falls nötig bei der Suche nach therapeutischer und ärztlicher Hilfe. Unsere Leistungen sind für Sie kostenlos.

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