FAQ

Allgemeine Fragen

Wir wird mein Umfeld reagieren, wenn ich das erste Mal von sexueller Gewalt spreche?

Es gibt sehr unterschiedliche Reaktionen. Im besten Fall reagiert das soziale Umfeld mit Aufmerksamkeit, der Bereitschaft zuzuhören, Respekt für Ihre Entscheidungen und keinesfalls Druckausübung auf Sie und dem Angebot, Sie zu einer Fachberatungsstelle oder Ärztin zu begleiten.

Allerdings kann es auch sein, dass Ihr Umfeld überfordert ist und mit Hilflosigkeit, Unverständnis und Ohnmacht reagiert, das Geschilderte nicht wahrhaben will oder nicht aushält. Eine weitere Möglichkeit ist, dass Ihr Umfeld mit Handlungsdruck reagiert, bspw. sofort Anzeige zu erstatten oder Sie unmittelbar in die Klinik bringen will oder ohne Ihre Zustimmung einen Termin mit einer Beratungsstelle oder einer Psychotherapeutin/einem Psychotherapeuten vermitteln will.

Wichtig für Sie ist, egal wie das Umfeld reagiert – die Schuld für den Übergriff liegt niemals bei Ihnen, sondern immer beim Täter

Soll ich ins Krankenhaus oder zu einer Ärztin/einem Arzt gehen?

Ihre Gesundheit ist wichtig. Wenn möglich gehen Sie zur/m Ärztin/Arzt ihres Vertrauens. Auch in den meisten Krankenhäusern gibt es Opferschutzgruppen und Ärzt*innen, die geschult sind und Erfahrungen mit Betroffenen von sexueller Gewalt haben.

Wie kann ich eine mir nahestehende Person unterstützen, die sexuelle Gewalt erfahren hat?

Die Reaktionen von betroffenen Frauen* und Mädchen* sind sehr unterschiedlich und individuell. Es gibt keine „typische“ oder „richtige“ Reaktion nach einem sexuellen Übergriff. Die ersten zu klärenden Fragen sind, ob die Person in Sicherheit ist und/oder medizinische Akutversorgung braucht. Lesen sie mehr dazu, wie Sie eine Frau* oder ein Mädchen* bestmöglich unterstützen können: Hilfe für Angehörige

Ich möchte dringenderen Fällen nicht die Telefonleitung blockieren oder Zeit stehlen…

Wir sind für Sie da und nehmen uns Zeit für Ihre Fragen und Anliegen.

Die Gewalterfahrung liegt schon lange Zeit zurück, kann ich trotzdem Beratung in Anspruch nehmen?

Ja, wir beraten völlig unabhängig vom Zeitpunkt der erlebten Gewalt. Es spielt keine Rolle, wann Sie sexuelle Gewalt erfahren haben oder wie lange Ihre Erfahrungen zurückliegen. Viele Frauen kommen zu uns, deren Erfahrung bereits jahrelang zurückliegt, bzw. deren Gewalterfahrungen in der Kindheit liegen. Melden Sie sich bei uns, wir beraten und unterstützen Sie gerne.

FRAGEN ZUM BERATUNGSANGEBOT

Welche Art von Beratung oder Hilfeleistung erhalte ich beim Frauennotruf Salzburg?

Der Frauennotruf Salzburg bietet psychosoziale Beratung zu jeder Form von sexueller Gewalt und ihren Auswirkungen. Unser Ziel in der Beratung ist, Sie dabei zu unterstützen, wieder Stabilität zu erlangen und Ressourcen (wieder) zu entdecken, auf die Sie im alltäglichen Leben zurückgreifen können. Bei uns können Sie in einer geschützten und sicheren Umgebung über das Geschehene sprechen. Die Beratungen sind kostenlos und auf Ihren Wunsch auch anonym (Ausnahme ist die Prozessbegleitung).

Ich bin ‚nur‘ sexuell belästigt worden, kann ich trotzdem in eine Beratungsstelle bei sexueller Gewalt kommen?

Wir beraten Frauen und Mädchen bei jeder Form von sexueller Gewalt – sexuelle Belästigung gehört dazu.

Welche Kosten würden bei einer Beratung auf mich zukommen?

Die Beratungen und das Angebot der Prozessbegleitung sind für Sie kostenlos.

Kann ich einen Vertrauensperson mitbringen?

Ja, zu persönlichen Beratungen können Sie eine Person Ihres Vertrauens mitbringen.

Wie lange kann ich Beratung in Anspruch nehmen?

Wir bieten auch langfristige Beratungen an. Am Beginn einer Beratung werden der zeitliche Rahmen und die Beratungsziele besprochen. Ziele und Zeitraum können sich während eines Beratungsprozesses aber verändern und individuell angepasst werden.

Kann ich anonym bleiben?

Ja, unser Beratungsangebot ist vertraulich und auf Wunsch anonym (Ausnahme: Prozessbegleitung).

Wie kann ich einen Termin vereinbaren?

Wir sind telefonisch zu den Öffnungszeiten erreichbar, wenn Sie uns eine Nachricht hinterlassen, rufen wir Sie zurück. Sie können sich auch per E-Mail melden. Bitte nutzen Sie auch unser Angebot der sicheren und auf Wunsch anonymen Mailberatung. So können Sie sicher sein, dass ihre Daten geschützt sind. Sie können sich auch jeden Freitag vormittags per Sofort-Chat bei uns melden. Wenn Sie nicht zu uns in die Beratungsstelle kommen können, weil Sie beispielsweise entlegen wohnen, besteht die Möglichkeit sichere Videoberatung in Anspruch zu nehmen.

Bieten Sie auch Psychotherapie an?

Der Frauennotruf Salzburg bietet psychosoziale Beratung an. Psychotherapie bieten wir nicht an. Wir helfen Ihnen aber gerne einen für Sie passenden Psychotherapieplatz zu finden.

FRAGEN ZU ANZEIGE UND STRAFPROZESS

Kann ich mich zu den Möglichkeiten und Folgen einer Anzeige vorher beraten lassen?

Ja, es ist in jedem Fall zu empfehlen, sich vorab ausreichend zu informieren, bevor Sie rechtliche Schritte unternehmen, damit Sie für sich eine gute und wohlüberlegte Entscheidung treffen können.

Wir raten Frauen und Mädchen dazu, noch vor einer Anzeigenerstattung uns oder eine andere Beratungsstelle ihres Vertrauens zu kontaktieren und sich rechtlich beraten zu lassen. Eine Anzeige und ein nachfolgendes Strafverfahren können eine emotionale Belastung sein, oder auch hilfreich für die Verarbeitung der erlebten Gewalt.

Sollten Sie sich für eine Anzeige entscheiden, können Sie bei einer unserer Beratungsstellen auch eine kostenlose psychosoziale und juristische Prozessbegleitung in Anspruch nehmen (siehe auch Rechtliche Informationen).

Ich habe Anzeige bei der Polizei erstattet, was soll ich jetzt tun?

Am besten vereinbaren Sie mit uns einen Termin für ein Erstgespräch. Wir informieren Sie über alle weiteren Schritte und das kostenlose Angebot der Prozessbegleitung.

Ich habe nur noch bruchstückhafte Erinnerungen, kann ich trotzdem zur Polizei gehen?

Ja, sie können trotzdem zur Polizei gehen. Es ist wichtig, dass Sie alles was Sie noch wissen, erzählen und es sagen, wenn Sie sich nicht mehr erinnern können. Bei Polizei und Gericht ist inzwischen bekannt, dass es durch einen sexuellen Gewaltübergriff zu einer Traumatisierung kommen kann und dass dies oft zu einer lückenhaften Erinnerung führen kann.

Bekomme ich auch Unterstützung, wenn ich keine Anzeige erstatten will?

Ja, wir beraten und unterstützen Sie selbstverständlich auch, wenn Sie keine Anzeige bei der Polizei erstatten möchten.

Was bedeutet Prozessbegleitung?

Seit 2006 gibt es in Österreich einen Rechtsanspruch auf kostenlose psychosoziale und juristische Prozessbegleitung für von Gewalt betroffene Menschen. Wir unterstützen und begleiten Sie bei der Entscheidungsfindung für oder gegen eine Anzeige. Wir begleiten Sie zu Polizei und Gericht und informieren Sie in jeder Phase des Verfahrens über die nächsten Schritte und versuchen die psychischen Belastungen, die ein Verfahren oftmals mit sich bringt so gering als möglich zu halten. Juristische Prozessbegleitung bedeutet, dass Sie während des gesamten Verfahrens durch eine unserer Rechtsanwältinnen kostenfrei vertreten werden.

Was ist eine kontradiktorische bzw. schonende Einvernahme?

Die kontradiktorische Einvernahme (KDE) oder kontradiktorische Vernehmung (KDV) ist eine gerichtliche Vernehmung des Opfers im Vorfeld der Hauptverhandlung, an der alle Parteien beteiligt sind und die Gelegenheit haben, Fragen zu stellen. In diesem Fall können zwar die Aussagen des Opfers in der Hauptverhandlung vorgelesen und die angefertigte DVD vorgeführt werden, von einer (weiteren) Aussage direkt vor Gericht ist das Opfer jedoch befreit. Aus Gründen des besonderen Opferschutzes kann die kontradiktorische Einvernahme der Betroffenen von sexueller Gewalt mittels „Videovernehmung“ ohne direkte Konfrontation des Opfers mit dem/der Beschuldigten und der anderen Beteiligten erfolgen („schonende Vernehmung“, § 165 Abs. 3 StPO). „Schonend“ vernommen zu werden, bedeutet also, dass das Opfer sich in einem eigenen Raum aufhält, während sich der/die Beschuldigte samt Verteidigung, Staatsanwaltschaft und juristische Prozessbegleitung im Verhandlungssaal befinden. Die Räume sind mittels Video- und Tonanlage verbunden.

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