Sicherheitstipps für Frauen* und Mädchen*

Viele Frauen* und Mädchen* kennen Situationen, in denen sie sich unwohl, unsicher oder bedroht fühlen – auf dem Heimweg, bei einer Feier, im Beruf, im öffentlichen Raum oder im eigenen Umfeld. Wichtig ist: Dieses Gefühl ernst zu nehmen, ist keine Überreaktion. Es ist ein wichtiger erster Schritt, um handlungsfähig zu bleiben.

Sie haben jederzeit das Recht NEIN zu sagen. Sie dürfen Ihren Freiraum lautstark verteidigen – „Gehen Sie weg!“ und/oder „Lassen Sie mich in Ruhe!“ mit starkem Blick und fester Stimme gesprochen, machen das deutlich.

Wenn Frauen* oder Mädchen* Diskriminierung, Grenzüberschreitungen oder Gewalt erleben, ist das nicht ihre Schuld. Opfer von Gewalt kann jede Person werden – ein „typisches Opfer“ gibt es nicht.

Selbstverteidigung beginnt im Kopf

Frauen* und Mädchen* lernen oft früh, nicht laut zu sein, höflich zu bleiben oder unangemessenes Verhalten wegzulächeln. Gedanken wie „Das ist bestimmt nur nett gemeint“, „Ich bewerte die Situation vielleicht falsch“ oder „Ich will jetzt keine Szene machen“ kennen viele Betroffene. Um handlungsfähig zu werden, ist es entscheidend, einen Angriff oder eine Grenzüberschreitung als solche zu realisieren.

Ein entscheidender Schritt ist genau diese Akzeptanz: Wenn ich mir eingestehe, dass gerade etwas Bedrohliches passiert oder passieren könnte, kann ich reagieren. Ich kann Abstand schaffen, Hilfe holen, laut werden oder mich wehren.

Die eigene Wahrnehmung ernst nehmen

Oft geht unangenehmen oder bedrohlichen Situationen ein Moment voraus, in dem sich etwas „ungut“ anfühlt. Dieses Gefühl ernst zu nehmen, kann entscheidend sein. Die eigene Intuition ist eine Ressource. Sie hilft, früh wahrzunehmen, wenn etwas nicht stimmt.

Das Skript des Angreifers durchbrechen

Täter haben oft eine klare Vorstellung davon, wie eine Situation ablaufen soll: dass Frauen* beschwichtigen, erstarren, leise bleiben oder an sich selbst zweifeln. Genau dieses Muster kann durchbrochen werden.

Selbstbehauptung und Selbstverteidigung bedeuten auch, aus der erwarteten Rolle auszusteigen. Laut werden, widersprechen, eine entlarvende Verständnisfrage stellen, Hilfe holen, andere direkt ansprechen, auf sich aufmerksam machen – all das kann Wirkung haben.

Es gibt nicht die eine richtige Reaktion. Jede Frau* reagiert anders. Entscheidend ist nicht Perfektion, sondern handlungsfähig zu werden und mit dem zu arbeiten, was in der Situation zur Verfügung steht.

Behelfswaffen mit Vorsicht

Ein Schrillalarm kann im Ernstfall hilfreich sein. Wichtig ist dabei, ihn nicht in der Hand zu behalten, sondern von sich wegzuwerfen. So verlagert sich die Geräuschquelle, und der Täter wird möglicherweise versuchen, den Alarm zum Schweigen zu bringen. Das kann einen Moment schaffen, um Abstand zu gewinnen oder zu flüchten.

Andere Behelfswaffen wie Pfefferspray empfehlen wir nicht. Ihr Einsatz muss gut geübt werden, und solche Gegenstände können auch gegen die Anwenderin selbst gerichtet werden.

Die Stimme ist eine wichtige Waffe

Viele Frauen* unterschätzen, was bereits in ihnen steckt. Dabei ist die Stimme eines der wichtigsten Mittel in einer Angriffssituation. Schreien kann in einer Angriffssituation sehr wirkungsvoll sein – es muss allerdings geübt werden. Oft ist es effektiver, laut und klar zu sprechen, Grenzen deutlich zu benennen und das übergriffige Verhalten sichtbar zu machen.

Wer einen Angriff benennt, dreht etwas Entscheidendes um: Die Scham bleibt nicht bei der betroffenen Person, sondern das Verhalten des Angreifers wird sichtbar. Das kann Täter unter Druck setzen und Unterstützung durch andere wahrscheinlicher machen.

Selbstverteidigung ist erlernbar

Selbstverteidigung und Selbstbehauptung sind keine Frage von Körpergröße, Kraft, Alter oder sportlicher Erfahrung. Sie müssen nicht jahrelang Kampfkunst trainieren, um wirksame Strategien zu entwickeln. Schon das Wissen um die eigenen Möglichkeiten, ein klares Auftreten und die Bereitschaft, Grenzen zu verteidigen, können einen großen Unterschied machen.

Jede Frau* bringt etwas mit. Selbstverteidigung hilft, diese individuellen Fähigkeiten und Stärken wahrzunehmen, zu stärken und im entscheidenden Moment einzusetzen.

Selbstverteidigungskurse der Stadt Salzburg

Die Stadt Salzburg bietet in Kooperation mit erfahrenen Trainerinnen Selbstverteidigungskurse für Mädchen und Frauen an. Neben einfachen und wirkungsvollen Selbstverteidigungstechniken stehen Selbstbehauptung, Gewaltprävention sowie das Erkennen und Setzen persönlicher Grenzen im Mittelpunkt. Die Kurse richten sich an Mädchen ab 10 Jahren und Frauen – Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.

Weitere Informationen, Termine und Anmeldung: stadt-salzburg.at/frauen/selbstverteidigung

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